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"A U G E N B L I C K E"

Eine Ausstellung

 

Das Fotografieren von Portraits und Personenszenen auf der Straße ist für mich besonders reizvoll. Der kurze Moment, also die wenigen Augenblicke, die mir dann für eine Aufnahme zur Verfügung stehen, ist dann die Herausforderung. Ein Problem ist auch, zu den Menschen eine persönliche Nähe herzustellen und gleichzeitig die gebührende Distanz zu wahren. Mein Ziel und Wunsch ist dass meine Bilder eine eigene Geschichte erzählen und damit vielleicht mehr zeigen als nur das äußere Abbild eines Menschen.

 

In dieser Ausstellung präsentiere ich 13 Fotografien mit sehr unterschiedlichen Motiven. Ein Portrait, fotografiert im nächtlichen Bangkok, ein Straßenmusiker aus Sotchi (Russland), eine Manga-Figur-Darstellerin aus Tokio und ein englischer Fußballfan gehören genauso dazu wie eine männliche thailändische Schönheitskönigin oder ein Schauspieler aus Tansania. Das Foto einer  Rockszene vom Orscheler Sommer ist als Hommage an meine Heimatstadt gedacht.

 

Jedes meiner Bilder erzählt dem Betrachter eine ganz individuelle Geschichte. Zusätzlich wird es spannend, wenn ich im Rahmen der Vernissage einige Bildergeschichten zu den Motiven präsentiere und zu jeder Fotografie Hintergrund- Informationen liefere. Wer weiß schon, dass zur schönsten Frau Thailands ein Mann gewählt wurde oder wer kennt die interessanten persönlichen Motive der japanischen Manga-Figuren-Darsteller.

 

 

Vernissage und Vortrag "Bildergeschichten" war am 21. September 2019

Die Ausstellung ist noch bis Anfang November 2019 zu sehen.

Artcafe MACONDO, Strackgasse 16, 61440 Oberursel.

 

Bilder von der Vernissage. Fotograf Manfred Scherbaum >>>>>

 

PRESSEINFORMATIONEN >>>>>

 

 

Mit einem Klick auf die Bilder werden sie vergrößert.

 

 

B I L D E R G E S C H I C H T E N  (Eine Auswahl)

 

 Monella Caspary

ist die weibliche Hälfte des Show-Duos „Schwarzblond“ aus Berlin. Drei Wochen lang gestalteten Monella und ihr Partner Benny Hiller auf der MS Artania faszinierende Abenshows. Sie waren für mich täglich liebe Kollegen, mit denen man sehr gerne seine Zeit verbrachte.

Monella Caspar lebte einige Jahre in Italien, absolvierte in Rom eine Modeschule und machte sich einen Namen als Modedesignerin für Filmregisseure und Schauspieler. Sie arbeitete u.a. für Fellini – er nannte sie die junge Guiletta Massina – für Romy Haag Katharina Thalbach, und Nastassja Kinski.

In der ZDF-Serie Mona-Lisa wurde einmal ein Portrait über sie gesendet, das sie wie folgt beschrieb: "Erstaunlich ist die Wandel-barkeit dieses zierlichen Energiebündels. Sie hat genau das was man Ausstrahlung nennt. Als Wesen mal Elfe, mal Göre, bezaubert sie als blonder Teil von Schwarzblond bei ihren vielumjubelten Auftritten das Publikum.“

 

JACK

nannte er sich, als ich ihn wegen eines Fotos ansprach. „I am Jack from Australia“ betonte er. Nein, mit seiner Musik meist Rockklassiker der alten Meister aus den 60- 70 Jahren, hatte er selbst hier in der Khao San Road keine Chance mehr zu einem einigermaßen auskömmlichen Leben zu gelangen.

 

„Khao San“, 400 m Straße, aber auch ein ganzes Viertel im Stadteil Banglumpoo in Bangkok. In den achtziger und neunziger Jahren war die Khao San ein legendärer Treffpunkt für Traveller aus der ganzen Welt . Die Rucksackreisenden machten sich von hier aus auf den Weg zu ihren vielfältigen Zielen in Thailand. Einige Urlaubstage, ganz im Sinne von „Sex, Drugs and Rockn Roll“ waren für viele junge Menschen dann der richtige Einstieg in ein märchenhaftes Thailanderlebnis. Für einige jedoch wurde der Kick, der die Welt der Khao San ihnen vermittelte zum Verhängnis und sie fanden wie Jack nie mehr heraus.

 

Vierzehn Mal war ich in Thailand, teilweise aus beruflichen Gründen. Bei allen meinen Reisen waren einige Tage in der Khao San Road zu Beginn und am Ende meines Aufenthalts selbstverständlich. Natürlich hat sich diese Welt, die mit den Hippes begann, im Laufe der Jahre entscheidend gewandelt. Heute prägt der moderne Massentourismus der Reisveranstalter das Bild dieser Straße und wer die Khao San aus den achtziger Jahren kannte, wendet sich mit einem tiefen Seufzer des Entsetzens ab.  

 

Darstellerin einer Manga-Figur

Mangas sind japanische Comics wie bei uns Micky Maus und ähnliches. In Japan haben Comics aber eine wesentlich größere Bedeutung. Sie erscheinen in gigantischen Auflagen und werden fast nur in schwarz-weiß gedruckt. Von einer Serie gibt es unendliche Folgen und die Hefte bzw. Bücher sind meist sehr seitenstark. Entsprechend der japanischen Schreibweise werden sie von hinten nach vorne gelesen. Wenn ein Heft ausgelesen ist, wird es meist gleich weggeworfen. Wird das Wort Manga aus dem japanischen übersetzt bedeutet die erste Silbe  „spontan“, „impulsiv“, „ziellos“, „unwillkürlich“, „bunt gemischt“, „ungezügelt / frei“, „wunderlich / skurril“ und „unmoralisch“, die zweite Silbe bedeutet „Bild“.

Die Manga-Figuren und Helden haben für viele Japaner eine große Bedeutung, denn sie leben förmlich mit ihnen. Kürzlich hat ein junger Mann eine gezeichnete Figur geheiratet.

Die Welt dieser Figuren sind oft Fluchtpunkte. Sie bieten dem Einzelnen die Chance aus einer sehr engen, übermäßig geordneten Gesellschaft auszubrechen und damit eine Identität anzunehmen, die ihm die japanische Gesellschaft nicht gewährt. Auch deshalb werden diese Figuren gerne von sehr bürgerlichen Menschen, also ganz seriösen Angestellten usw. in ihrer Freizeit realistisch nachgestellt.

In der Innenstadt von Tokio, speziell in der Takeshita Straße (Harajuku Viertel) sieht man jedem Samstag viele Menschen, junge wie alte, die mit extrem ausgefallener Kleidung und Mode oder dem Nachstellen der Manga-Figuren ihren Ausbruch aus dem Alltag als Freizeitspaß genießen.

 

Schönheitskönigin

Im Jahre 2009 war die schönste Frau Thailands ein Mann. Vor 15 Millionen Fernsehzuschauern wurde Sorrawee Nattee, einst als Mann geboren, zur schönsten Frau des Landes gewählt.

Schönheitswettbewerbe haben in Thailand eine lange Tradition und finden auch an den entlegensten Orten statt. Das Bild dieser Dame bzw. Herren Bild fotografierte ich dem kleinen Dorf Nong Kong Si im Isaan. In einem Frisörsalon bereiteten sich die Damen und Herren intensiv, das heißt mit unzähligen Schminktöpfen und riesigen Schwaden von weißem Puder, auf ihre Teilnahme an einem Schönheitswettbewerb vor.

Katoeys, so werden Transsexuelle in Thailand bezeichnet, scheinen in diesem derart gläubigen und konservativen Land gut integriert. Dass bereits in den ersten buddhistischen Niederschriften nicht zwei, sondern vier Geschlechter genannt würden: Männer, Frauen, Hermaphroditen und Katoeys – biologische Männer, die sich seit ihrer Kindheit als Frauen fühlen – benennt der Soziologe Richard Totman in seinem Buch "The third sex" als einen Grund.

 

Showtime auf der MS Astor

Auf fast allen Kreuzfahrtschiffen ist nach dem Dinner am Abend Showtime angesagt. Showtalente aus vielen Ländern der Welt gestalten dann den Abend mit ihren Programmen. Dass für viele der betagten Herrschaften die jungen Tänzerinnen begehrenswerte Fotomotive darstellen, versteht sich von selbst. Und das sich dann, wie auf diesem Bild, zwei fotografische Voyeure, ein fotografierender Herr und ich selbst, unter den Röcken der Showgirls wiederfinden ist ist für mich der besondere Reiz dieser Aufnahme.

 

Istanbul im Aufbruch

Istanbul ist eine der schönste Städte der Welt. Dieser Eindruck bestätigte sich bei meinen zahlreichen Besuchen immer wieder aufs Neue. Auf einer Fahrt mit der historischen Straßenbahn, Linie T2 vom "Taksim Platz zum "Tünel Platz", faszinierte mich die Szenerie dieses hier gezeigten Bildes: Auf der einen Seite eine sehr persönlich verbundene Gruppe von drei jungen modernen Frauen, mit einem offenen Blick, der nach draußen ins Helle auf die Szenerie der Stadt gerichtet ist . Dagegen auf der anderen Seite zwei allein stehende ältere Männer, in sich gekehrt, nach unten schauend und sehr ernst.

 Ich denke diese Aufnahme hat große Symbolkraft für diese Stadt.