THAILÄNDISCHE SCHÖNHEITSKÖNIGIN  -

Männer, Frauen und mehr

Im Jahre 2009 war die schönste Frau Thailands ein Mann. Vor 15 Millionen Fernsehzuschauern wurde Sorrawee Nattee, einst als Mann geboren, zur schönsten Frau des Landes gewählt. Schönheitswettbewerbe haben in Thailand eine lange Tradition und finden auch an den entlegensten Orten statt. Dieses Porträt fotografierte ich in dem kleinen Dorf Nong Kon Si im Norden Thailands, im Isaan. In einem Friseursalon bereiteten sich die Damen und Herren intensiv, das heißt mit unzähligen Schminktöpfen und riesigen Schwaden von weißem Puder, auf ihre Teilnahme an einem Schönheitswettbewerb vor. Katoeys, so werden Transsexuelle in Thailand bezeichnet, scheinen in diesem gläubigen und konservativen Land gut integriert. Der Soziologe Richard Totman benennt in seinem Buch "The third sex" als einen Grund, dass bereits in den ersten buddhistischen Nieder-schriften nicht zwei, sondern vier Geschlechter genannt würden: Männer, Frauen, Hermaphroditen und Katoeys – also biologische Männer, die sich seit ihrer Kindheit als Frauen fühlen.

STRASSENSZENE IN FRANKFURT AM MAIN  - Wer ist hier was?

Christophers Street Day in Frankfurt am Main.  Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transsexuelle und andere  demonstrierten für die Akzeptanz und Gleichberechtigung sexueller Minderheiten. 
Das CSD-Motto soll daran erinnern, dass vor 50 Jahren Besucher der Homo- sexuellen-Kneipe "Stonewall Inn" in der New Yorker Christopher Street Ziel von Razzien und polizeilichen Repressalien gewesen sind. "Wir haben bereits viel erreicht, sind aber noch lange nicht da, wo wir sein wollen", heißt es im Programmheft des CSD Frankfurt.

DARSTELLERIN EINER MANGA-FIGUR IN TOKIO -

Spontan, Impulsiv, Frei

Mangas sind japanische Comics, ähnlich wie bei uns die Micky Maus.  In Japan haben sie jedoch eine wesentlich größere Bedeutung. Sie er-scheinen in gigantischen Auflagen und werden fast nur in Schwarz-Weiß gedruckt. Von einer Serie gibt es unendlich viele Folgen und die Hefte bzw. Bücher sind meist sehr seitenstark. Wenn ein Heft ausgelesen ist, wird es meist gleich weggeworfen. Übrigens werden sie entsprechend der japanischen Schreibweise von hinten nach vorne gelesen.
Viele Japaner leben förmlich mit ihren Manga-Figuren und -Helden. Kürzlich hat ein junger Mann eine gezeichnete Figur geheiratet. Wird das Wort Manga  übersetzt, bedeutet die erste Silbe  „spontan“, „impulsiv“, „ziellos“, „unwillkürlich“, „bunt gemischt“, „ungezügelt / frei“, „wunderlich / skurril“ und „unmoralisch“, die zweite Silbe bedeutet „Bild“. Die Welt dieser Figuren bietet vielen Japanern die Chance, aus einer sehr engen, über-mäßig geordneten Gesellschaft auszubrechen und damit eine eigene, originelle Identität anzunehmen, die ihnen die japanische Gesellschaft nicht gewährt.  Deshalb sind diese Figuren oft Fluchtpunkte aus dem normalen Alltag und werden gerne auch von sehr bürgerlichen Menschen, also ganz seriösen Angestellten usw., in ihrer Freizeit realistisch nachgestellt. 
In der Innenstadt von Tokio, speziell in der Takeshita Straße (Harajuku Viertel), sieht man jedem Samstag viele Menschen, junge wie alte, die mit extrem ausgefallener Kleidung und Mode oder dem Nachstellen der Manga-Figuren ihren Ausbruch aus dem Alltag als Freizeitspaß genießen.

MONELLA CASPAR - Ein Wesen., mal Elfe, mal Göre

Monella Caspar ist die weibliche Hälfte des Show-Duos „Schwarzblond“ aus Berlin. Drei Wochen lang gestalteten Monella und ihr Partner Benny Hiller auf der MS Artania faszinierende Abendshows.  Und täglich waren sie für mich  liebe Kollegen, mit denen man sehr gerne seine Zeit verbrachte.
Monella Caspar lebte einige Jahre in Italien, absolvierte in Rom eine Mode-schule und machte sich einen Namen als Modedesignerin für Filmregisseure und Schauspieler. Sie arbeitete u.a. für Fellini - er nannte sie die junge Guiletta Massina - für Romy Haag, Katharina Thalbach und Nastassja Kinski.
In der ZDF-Serie Mona Lisa wurde einmal ein Portrait über sie gesendet, das sie wie folgt beschrieb: "Erstaunlich ist die Wandelbarkeit dieses zierlichen Energiebündels. Sie hat genau das, was man Ausstrahlung nennt. Als Wesen mal Elfe, mal Göre, bezaubert sie als blonder Teil von Schwarzblond bei ihren vielumjubelten Auftritten das Publikum.“

SHOWTIME AUF DER MS ASTOR  -Sind Fotografen Voyeure?

Auf fast allen Kreuzfahrtschiffen ist nach dem Dinner Showtime angesagt.  Künstler aus vielen Ländern der Welt gestalten dann das Programm. Für viele der betagten, meist männlichen Herrschaften stellen dann die jungen Tänzerinnen begehrenswerte Fotomotive dar.
Das Besondere an dieser Situation war für mich, dass der Herr, der mir gegenüber saß, seine Kamera nie nach oben gerichtet hatte, also auf die Gesichtshöhe der Tänzerinnen, sondern stets in der Position auf den Rocksaum des Kostüms. Und so positionierte ich meine Kamera ebenfalls in gleicher Höhe und löste aus. Die Folge war, dass sich nun zwei fotografische Voyeure, der Herr und ich, unter den Röcken der Showgirls begegneten.

NÄCHTLICHE BEGEGNUNG IN BANGKOK  -  Skurril

Bangkok, gegen 1.00 Uhr nachts. Ich war auf dem Heimweg zu meinem Guesthouse in der Khao San Road. Kurz bevor ich die helle und laute Amüsiermeile erreichte, musste ich noch eine kleine, wenig beleuchtete und absolut ruhige Seitenstraße durchqueren. Zunächst fast unhörbar, aber dann eindeutig, nahm ich das leise Quietschen eines Fahrrades wahr. Die Töne kamen näher, wurden klarer, stärker, schriller. Jetzt waren sie direkt hinter mir. Ich drehte mich um.
Die Maske, die sein Gesicht verdeckte, erinnerte an arabische Gesichtszüge. Wortlos blickte er mich durch die schmalen Sehschlitze an. In seinem Mundwinkel, eingeklemmt in die Maske, hing eine brennende Zigarette. Dann hob er seinen Zeigefinger zu dieser typischen Stinkefinger-Geste. Fasziniert blickte ich auf seinen extrem langen Finger, den er nun in die Luft streckte. Angst ja, aber dieses Bild des absolut ungewöhnlichen Fingers rettete mich vor Panik. Ruhig und sehr langsam stellte ich meinen Rucksack auf die Straße,  öffnete ihn, zog meinen Fotoapparat und das Blitzgerät heraus, schob den Blitz auf die Kamera, fixierte mein Gegenüber im Sucher und löste aus. Keine Reaktion von ihm. Auf seinem Fahrrad sitzend, hatte er sich mit einem Fuß an der Kante des Bürgersteigs fixiert und verharrte so. Zwei, drei, viele Male erleuchte nun das Licht des Blitzes die skurrile Szenerie. Jetzt gab es kein Gegenüber mehr, keinen bedrohlichen Fremden, mein Denken war in die Welt meiner rasch aufeinanderfolgenden Bilder geflüchtet.
Wortlos wie bisher unsere gesamte Begegnung ja ablief wollte ich ihm  - für mich schien  jetzt eine Ewigkeit vergangen -  auf dem Display der Kamera mein Werk zeigen. Mit offensichtlich irritiertem Blick schaute er mich an. Schnell drehte er den Kopf nach vorne, um dann sehr kraftvoll in die Pedale seinen Rades zu treten. Mir kam es ein wenig wie eine Flucht vor. Und recht schnell wurde nun das Quietschen seines alten Fahrrades nur ein leises Geräusch, das allmählich in der  Ferne verschwand.


                                                          Willi Mulfinger  

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